Die Seiser Alm im Winter
Die Seiser Alm liegt in den Dolomiten, rund 20 Kilometer nordöstlich von Bozen in der Gemeinde Kastelruth. Mit 56 Quadratkilometern gilt sie als größte Hochalm Europas; sie reicht von 1.680 bis 2.350 Meter. Der südliche Teil gehört zum Naturpark Schlern-Rosengarten.
Im Winter gibt es hier laut Tourismusverband 254 Kilometer Winterwanderwege, rund 60 Kilometer davon werden eigens präpariert. Dazu kommen rund 50 Kilometer Schneeschuhtrails, die ab etwa 50 Zentimetern Schneehöhe begehbar sind.
Was die Alm im Winter besonders macht, ist die Weite: Statt durch enge Täler gehst du über sanfte, verschneite Hügel, auf denen im Sommer Vieh weidet. Fast jede Tour hat dabei eine der bekanntesten Kulissen der Dolomiten im Blick – im Südwesten den Schlern mit der Roterdspitze und den Rosszähnen, im Südosten die Langkofelgruppe mit dem Plattkofel, im Norden den Puflatsch als Randerhebung.
Landschaft und Naturpark
Der Naturpark Schlern-Rosengarten wurde 1974 gegründet und ist laut Wikipedia der erste Naturpark, den das Land Südtirol ausgewiesen hat. Er umfasst 7.291 Hektar in den Gemeinden Kastelruth, Tiers und Völs am Schlern. Der Schlern erreicht 2.563 Meter, im 2003 dazugekommenen Rosengarten-Teil liegen mit Rosengartenspitze (2.981 m) und Kesselkogel (3.004 m) die höchsten Gipfel des Parks. Seit 2009 gehört der Park zum UNESCO-Welterbe Dolomiten.
Auf der Alm selbst sind zudem zwei Biotope ausgewiesen, Col da Fil und Gran Paluch. Im Winter liegen sie unter Schnee, sind aber trotzdem empfindlich – ein guter Grund, auf den markierten Wegen zu bleiben.
Anreise
Von Seis am Schlern fährt eine Umlaufbahn hinauf nach Compatsch auf 1.850 Metern; sie ist laut Tourismusverband von Dezember bis Anfang April täglich in Betrieb. Mit dem eigenen Auto darf man die Alm nur abends und nachts befahren. Aus St. Ulrich in Gröden gibt es saisonal einen Bus.
Die Bahn wurde 2003 gebaut. Laut Hersteller Leitner ist sie gut 4,1 Kilometer lang und überwindet 843 Höhenmeter; sie hat den Autoverkehr auf der Bergstraße ersetzt. Für dich heißt das: Du startest die meisten Winterwanderungen ohne Parkplatzsuche direkt an der Bergstation in Compatsch, und die Alm bleibt tagsüber weitgehend autofrei.
Hans-und-Paula-Steger-Weg: Compatsch – Saltria
Der bekannteste Winterwanderweg der Alm (Wegweiser Nr. 30) beginnt an der Bergstation in Compatsch und führt über die verschneiten Wiesen nach Saltria auf 1.700 Metern. Laut Tourismusverband ist die Runde 10,4 Kilometer lang, braucht reine Gehzeit von 2 Stunden 35 Minuten und hat je 343 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Sie gilt als leicht und ist für Familien und Hunde geeignet. Unterwegs passierst du das Hotel Steger-Dellai.
Seiser Alm Marketing führt den Weg in einer kürzeren Variante mit 8,7 Kilometern, 301 Höhenmetern und 2 Stunden 10 Minuten. Je nachdem, wo du startest und umkehrst, unterscheiden sich die Angaben – plane mit der längeren Variante, dann bist du auf der sicheren Seite.
Der Weg ist breit und gut präpariert, die Steigungen sind sanft. Weil er über offene Almwiesen führt, hast du fast durchgehend freien Blick auf Langkofel und Plattkofel. In Saltria, dem tiefsten Punkt der Runde, kannst du einkehren, bevor es zurück nach Compatsch geht.
Weitere Winterwanderungen
Neben dem Klassiker listet Seiser Alm Marketing eine ganze Reihe weiterer Touren auf der Alm und rund um Seis, Kastelruth und Völs. Eine Auswahl, alle Angaben von dort:
Puflatsch
8,99 Kilometer, rund 2 Stunden 45 Minuten, 411 Höhenmeter, mittelschwer. Der Puflatsch ist eine Erhebung am Nordwestrand der Alm, sein höchster Punkt liegt auf 2.176 Metern. Nahe dem nördlichen Gipfelpunkt liegen die sogenannten Hexenbänke, und der Aussichtsrand gilt als einer der schönsten Blickpunkte über die Alm und die Grödner Dolomiten. Der Name stammt laut Wikipedia vom altladinischen „buvilaccia“ für Viehställe.
Zur Mahlknechthütte
10,7 Kilometer, rund 4 Stunden, mittelschwer – die längste Tour in dieser Auswahl. Plane genug Zeit für die Rückkehr zur Bahn ein.
Zum Berghaus Zallinger
8,7 Kilometer, rund 3 Stunden, mittelschwer. In der Nähe steht die Marienkapelle am Zallinger.
Saltria – Piz – Saltria
8,41 Kilometer, 2 Stunden 31 Minuten, 344 Höhenmeter, mittelschwer – eine Runde ab Saltria im ruhigeren Ostteil der Alm.
Spitzbühl-Runde
7,51 Kilometer, 2 Stunden 17 Minuten, 327 Höhenmeter, als leicht eingestuft.
Zur Sanon-Hütte
8,5 Kilometer, rund 2 Stunden 30 Minuten, leicht.
Im Tal: Touren rund um Seis, Kastelruth und Völs
Wenn oben Nebel hängt oder die Bahn wegen Wind steht, gibt es auch im Tal Winterwanderwege. Laut Seiser Alm Marketing zum Beispiel:
- Von Seis nach Kastelruth: 3,11 Kilometer, knapp eine Stunde, 157 Höhenmeter, sehr leicht.
- Völser Rundweg: 3,2 Kilometer, 1 Stunde 48 Minuten, 123 Höhenmeter, leicht.
- Von Seis nach Völs: 7,11 Kilometer, 1 Stunde 53 Minuten, 91 Höhenmeter.
- Seis – Laranz-Runde: 10,37 Kilometer, knapp drei Stunden, 279 Höhenmeter.
- Kofel in Kastelruth: 0,92 Kilometer, eine Viertelstunde – ein kurzer Abstecher für zwischendurch.
Schneeschuhwandern auf der Seiser Alm
Wer abseits der präparierten Wege unterwegs sein will, findet rund 50 Kilometer Schneeschuhtrails. Laut Seiser Alm Marketing sind sie ab etwa 50 Zentimetern Schneehöhe begehbar. Schneeschuhe kannst du in den Sportgeschäften der Orte leihen. Wichtig: Schneeschuhgeher teilen sich das Gelände mit Skifahrern und Langläufern – Pisten und Loipen sind tabu. Wie Schneeschuhwandern grundsätzlich funktioniert, liest du in unserem Ratgeber zum Schneeschuhwandern.
Welche Tour passt zu dir?
Die Einstufungen stammen von Seiser Alm Marketing, die Zuordnung ergibt sich aus Länge und Höhenmetern:
- Erste Winterwanderung oder mit Kindern: der Hans-und-Paula-Steger-Weg in der kürzeren Variante oder die Spitzbühl-Runde. Beide sind breit, gut präpariert und als leicht eingestuft. Für kleine Kinder lässt sich der Steger-Weg auch nur ein Stück weit gehen und an derselben Stelle umkehren.
- Mit Aussicht als Ziel: der Puflatsch. Er hat mit 411 Metern die meisten Höhenmeter der Auswahl, dafür stehst du am Ende am Rand der Alm über dem Grödner Tal.
- Für einen langen Tag: die Tour zur Mahlknechthütte mit 10,7 Kilometern und rund vier Stunden. Sie führt in den südöstlichen Teil der Alm unter den Plattkofel.
- Bei schlechtem Wetter oben: die Wege im Tal zwischen Seis, Kastelruth und Völs. Sie sind kürzer und verlaufen meist in der Nähe der Orte.
Mit Hund bist du auf dem Steger-Weg richtig, den der Tourismusverband ausdrücklich als hundefreundlich nennt. Auf den Skipisten und Loipen haben Hunde wie Wanderer nichts verloren.
So planst du deinen Tag
- Früh starten: Die Bahn ist morgens weniger voll, und im Winter wird es früh dunkel.
- Länge ehrlich einschätzen: Im Schnee bist du langsamer als im Sommer. Die Gehzeiten oben sind reine Gehzeiten ohne Pausen.
- Einkehr einplanen: An vielen Wegen liegen Hütten. Öffnungszeiten ändern sich je nach Saison – vorab prüfen.
- Sonne und Wind: Auf der offenen Alm gibt es kaum Schatten oder Windschutz. Sonnenbrille, Sonnencreme und eine winddichte Jacke gehören in den Rucksack.
Praktische Hinweise
- Vorbereitung: Wetterbericht prüfen, warme Kleidung in Schichten, Verpflegung und Erste-Hilfe-Set einpacken.
- Auf den Wegen bleiben: Winterwanderer und Schneeschuhgeher teilen sich das Wegenetz; Skipisten und Loipen sind tabu.
- Seilbahnzeiten: Die letzte Talfahrt nicht verpassen – sonst wird der Abstieg lang.
- Grödel: Auf festgetretenen, vereisten Abschnitten geben leichte Spikes zum Überziehen Halt.



