Verschneiter Feldberg im Schwarzwald
Foto: Ji-Elle, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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Wandern im Schnee: So bist du sicher unterwegs

Wandern im Schnee ist leiser, langsamer und anstrengender als im Sommer. Welche Wege sich eignen, welche Ausrüstung du brauchst und warum Orientierung, Tageslicht und Wildtiere im Winter eine größere Rolle spielen – ein Ratgeber.

Veröffentlicht am 9. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Welche Wege eignen sich im Schnee?

Im Winter gibt es grob drei Arten von Wegen:

  • Winterwanderwege: geräumt oder gewalzt, oft eigens markiert. Feste Wanderschuhe reichen.
  • Normale Wanderwege: im Winter meist nicht betreut. Nach Neuschnee kann der Schnee knietief sein, die Markierungen verschwinden unter Schnee.
  • Schneeschuhrouten: markierte Strecken durch unpräparierten Schnee, für die du Schneeschuhe brauchst.

Für den Anfang sind Winterwanderwege die beste Wahl. Mehr dazu liest du in unserem Ratgeber zu Winterwanderwegen.

Schnee ist nicht gleich Schnee

Wie anstrengend und wie rutschig eine Wanderung im Schnee wird, hängt stark vom Untergrund ab:

  • Frischer Pulverschnee ist weich und griffig, aber je tiefer er ist, desto mühsamer wird jeder Schritt. Auf ungespurten Wegen kommst du nur langsam voran.
  • Festgetretener oder gewalzter Schnee trägt gut, wird an viel begangenen Stellen aber schnell glatt.
  • Harsch ist eine gefrorene Kruste auf dem Schnee. Sie trägt manchmal und bricht manchmal ein – das kostet Kraft und kann die Knöchel belasten.
  • Eis unter Neuschnee ist am tückischsten: Du siehst die glatte Schicht nicht. Besonders auf schattigen Waldwegen und Brücken lohnen sich Grödel.

Ein Weg, der morgens hart gefroren ist, kann am Nachmittag sulzig und nass sein – und umgekehrt. Plane deshalb bei Sonne und Tauwetter mit wechselnden Verhältnissen auf derselben Tour.

So gehst du sicher im Schnee

Im Schnee gehst du anders als auf trockenem Boden. Mach kürzere Schritte und setze den ganzen Fuß flach auf, statt mit der Ferse voran aufzutreten. Das Körpergewicht bleibt über den Füßen, die Knie leicht gebeugt. Bergab hilft es, das Gewicht eher nach vorn zu nehmen und die Stöcke vor dem Körper einzusetzen. Wo es glatt wird, ist Langsamkeit die beste Technik – und wo es richtig vereist ist, kehrst du besser um oder ziehst Grödel an, bevor du die Stelle betrittst.

Die richtige Ausrüstung

  • Schuhe: fest, wasserdicht, mit griffiger Sohle.
  • Grödel: leichte Spikes zum Überziehen – auf vereisten Wegen der wichtigste Ausrüstungsgegenstand.
  • Stöcke mit Wintertellern geben Halt und entlasten die Knie.
  • Gamaschen halten Schnee aus den Schuhen.
  • Kleidung in mehreren Schichten: Funktionsunterwäsche, Fleece, isolierende Jacke, darüber eine wind- und wasserdichte Schicht. Dazu Mütze, Handschuhe und Sonnenbrille.
  • Im Rucksack: heißes Getränk, Snacks, Erste-Hilfe-Set, aufgeladenes Handy und Stirnlampe.

Orientierung im Schnee

Schnee verändert die Landschaft. Markierungen an Bäumen sind zugeschneit, Wege nur noch als Mulde zu erkennen, und bei Nebel verschwindet jeder Orientierungspunkt. Am Feldberg im Schwarzwald markieren deshalb schwarz-orange Stangen den Winterweg zum Gipfel – laut Naturschutzzentrum Südschwarzwald können Nebel, Schnee und Wind ihn trotzdem äußerst beschwerlich machen.

Wie extrem es werden kann, zeigt der Brocken im Harz: Laut Wikipedia herrscht dort an durchschnittlich 306 Tagen im Jahr Nebel, an 178 Tagen liegt Schnee, und mit 42 Kilometern pro Stunde mittlerer Windgeschwindigkeit gilt er als windigster Ort Deutschlands. Nimm deshalb immer eine Karte oder eine Offline-Karte auf dem Handy mit.

Lade die Karte vor der Tour herunter, denn in vielen Mittelgebirgstälern ist der Empfang schwach. Merk dir unterwegs markante Punkte wie Wegkreuzungen, Hütten oder Aussichtsstellen, und schau dich ab und zu um: Der Rückweg sieht im Schnee oft ganz anders aus als der Hinweg. Wenn du die Markierungen nicht mehr findest, geh zum letzten sicheren Punkt zurück, statt einer fremden Spur zu folgen.

Tageslicht und Tempo

Im Winter wird es laut Deutschem Alpenverein schon gegen 16 Uhr dunkel. Im Schnee kommst du langsamer voran als im Sommer, und Pausen fallen kürzer aus, weil du schnell auskühlst. Plane deshalb kürzere Touren und starte früh.

Lawinen

In den Alpen, aber auch an steilen Hängen in Mittelgebirgen, können Lawinen abgehen. Bleib auf präparierten Wegen, prüfe vor Touren abseits davon den Lawinenlagebericht und kehre bei Lawinengefahr um. Ein Beispiel: Im Tannheimer Tal ist die Umrundung des Vilsalpsees im Winter wegen Lawinengefahr nicht möglich.

Den Lawinenlagebericht verstehst du mit der Europäischen Lawinengefahrenskala, die seit 1993 in ganz Europa einheitlich gilt. Sie hat fünf Stufen:

  • 1 – gering: Lawinen sind nur bei großer Zusatzbelastung an sehr wenigen extremen Steilhängen möglich.
  • 2 – mäßig: Auslösung vor allem bei großer Zusatzbelastung an angegebenen Steilhängen möglich. Vorsichtige Routenwahl.
  • 3 – erheblich: Auslösung schon bei geringer Zusatzbelastung an angegebenen Steilhängen wahrscheinlich, einzelne mittlere bis große Lawinen auch von selbst. Erfahrung in der Beurteilung nötig.
  • 4 – groß: Auslösung an vielen Steilhängen wahrscheinlich, viele Lawinen von selbst.
  • 5 – sehr groß: zahlreiche große Lawinen von selbst, auch in mäßig steilem Gelände. Von Touren wird abgeraten.

Wichtig: Eine Stufe ohne Risiko gibt es nicht. Für Winterwanderer heißt das ganz einfach: Wer abseits gesicherter Winterwege nicht sicher einschätzen kann, ob ein Hang gefährlich ist, bleibt auf den präparierten Wegen.

Kälte: Unterkühlung und Erfrierungen

Von einer Unterkühlung (Hypothermie) spricht man laut Wikipedia, wenn die Körpertemperatur unter 35 Grad sinkt. Im milden Stadium zittern Betroffene stark; hört das Zittern bei weiter sinkender Temperatur auf und wird jemand verwirrt oder schläfrig, ist das ein ernstes Alarmzeichen. Wind, nasse Kleidung, Erschöpfung und Alkohol beschleunigen den Wärmeverlust.

Erfrierungen treffen vor allem Finger, Zehen, Nase und Ohren. Erste Anzeichen sind blasse, taube Hautstellen. Betroffene Stellen nicht mit Schnee abreiben, sondern langsam erwärmen und vor Druck schützen. Bei Verdacht auf eine Unterkühlung die Person schonend bewegen, vor weiterem Wärmeverlust schützen, bei Bewusstsein warme, gezuckerte Getränke geben und den Notruf 112 wählen.

Vorbeugen ist einfach: trockene Kleidung zum Wechseln, Mütze und Handschuhe, regelmäßig essen und trinken – und rechtzeitig umkehren, wenn jemand in der Gruppe friert oder erschöpft ist.

Essen und Trinken

Im Winter merkst du Durst kaum, verlierst über die trockene, kalte Luft und beim Aufstieg aber trotzdem Flüssigkeit. Trink deshalb regelmäßig, am besten warmen Tee aus der Thermoskanne – kalte Getränke kühlen zusätzlich aus. Kleine, energiereiche Snacks wie Nüsse, Trockenobst oder Brot geben zwischendurch Kraft; lange Pausen dagegen kühlen dich aus. Lieber öfter kurz anhalten.

Deine Tour planen

  • Strecke: kürzer als im Sommer wählen und die Gehzeit großzügig ansetzen.
  • Wetter und Schnee: Wetterbericht, Lawinenlagebericht und den Zustand der Winterwege beim Tourismusverband prüfen.
  • Umkehrzeit: vorher festlegen, wann du spätestens umkehrst – unabhängig davon, ob du das Ziel erreicht hast.
  • Bescheid sagen: jemandem erzählen, wohin du gehst und wann du zurück sein willst.
  • Notfall: Der Euro-Notruf 112 funktioniert in ganz Europa. Ein voll geladenes Handy – im Winter am besten nah am Körper, weil Kälte den Akku schnell leert – gehört immer dazu.

Rücksicht auf Wildtiere

Wildtiere sparen im Winter Energie. Jede Flucht kostet sie Kraft, die sie bei knapper Nahrung kaum ersetzen können. Laut Deutschem Jagdverband rechnen Tiere abseits markierter Wege nicht mit Menschen und werden dort besonders leicht aufgeschreckt. Bleib deshalb auf den Wegen, halte Hunde an der Leine und respektiere Wildruhezonen.

Quellen

Häufige Fragen zum Wandern im Schnee

Welche Schuhe braucht man zum Wandern im Schnee?

Feste, wasserdichte Wanderschuhe mit griffiger Sohle. Auf vereisten Wegen helfen Grödel.

Was sind Grödel?

Leichte Spikes zum Überziehen über die Wanderschuhe. Sie geben auf Eis und festgetretenem Schnee Halt.

Wie lang sollte eine Wanderung im Schnee sein?

Kürzer als im Sommer. Es wird früh dunkel, und im Schnee bist du langsamer – drei bis zehn Kilometer sind für die meisten ideal.

Wie viele Lawinenwarnstufen gibt es?

Fünf: gering, mäßig, erheblich, groß und sehr groß. Die Skala gilt seit 1993 europaweit einheitlich.

Woran erkennt man eine Unterkühlung?

Erstes Anzeichen ist starkes Zittern. Hört das Zittern auf und wird jemand verwirrt oder schläfrig, ist das ein Notfall – Notruf 112 wählen.

Darf man im Winter abseits der Wege wandern?

Wo es nicht verboten ist, schon – sinnvoll ist es selten. Abseits der Wege störst du Wildtiere besonders stark, und in Schutzgebieten gelten oft Wegegebote.

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