Was den Sternenpark Westhavelland besonders macht
Der Naturpark Westhavelland liegt in Brandenburg, rund 70 Kilometer westlich von Berlin an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Mit 1.315 Quadratkilometern ist er das größte Schutzgebiet Brandenburgs und umfasst das größte zusammenhängende Feuchtgebiet des deutschen Binnenlands. Nachts gehört er zu den dunkelsten Orten Deutschlands: Laut Wikipedia ist es hier so dunkel wie etwa in Namibia, gemessen wurde eine Himmelshelligkeit von 21,78 mag/arcsec².
Nach ersten Lichtmessungen 2009 wurde geprüft, ob hier ein Lichtschutzgebiet entstehen kann. Im Februar 2014 verlieh die International Dark Sky Association dem Naturpark als erstem Ort in Deutschland den Titel „Sternenpark“. Am selben Tag, so berichtet Wikipedia, war im Naturpark ein Polarlicht zu sehen.
Gülpe: der dunkelste Ort Deutschlands
Mittendrin liegt Gülpe, ein Ortsteil der Gemeinde Havelaue mit rund 160 Einwohnern, direkt am Gülper See und an einem Arm der Havel. Gülpe gilt als einer der Orte mit der geringsten Lichtverschmutzung in Deutschland – mit diesem Ort hatte sich der Naturpark 2011 bei der International Dark Sky Association beworben.
Wo du dich zum Beobachten hinstellst
Feste Öffnungszeiten oder Eintritt gibt es nicht – der Sternenpark ist eine offene Landschaft. Ein bewährter Platz ist der Sportplatz in Gülpe: Laut Reiseland Brandenburg können Hobbyastronomen dort den Nachthimmel ohne störende Lichteinflüsse betrachten, und das Aufbauen von Teleskopen ist ausdrücklich erlaubt. Am Ufer der Gülper Havel liegt außerdem ein kleiner Biwakplatz mit Badestelle, Grillplatz und einfacher Toilette, beschränkt auf vier Zelte und eine Übernachtung.
Reiseland Brandenburg beschreibt zudem einen Platz an einem Feldweg zwischen Hohennauen und Spaatz, von dem aus der Blick in alle vier Himmelsrichtungen bis zum Horizont reicht. Grundsätzlich gilt: je weniger Bäume und Häuser, desto mehr Himmel – und bleib auf Wegen und Feldrändern, besonders in den Feuchtgebieten mit Rastvögeln.
Der Gülper See: Kraniche in der Abenddämmerung
Der Gülper See ist rund 660 Hektar groß, aber nur ein bis zwei Meter tief. Er entstand in der Weichsel-Eiszeit, steht seit 1967 unter Naturschutz und ist heute – zusammen mit der Unteren Havelniederung – Feuchtgebiet internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention. Im Frühjahr und Herbst rasten hier Zehntausende Bläss- und Waldsaatgänse, und Kraniche nutzen den See als Schlafplatz: Im Oktober 2006 wurden rund 10.000 gezählt.
Am Südufer steht ein Vogelbeobachtungsturm an einem 1,5 Kilometer langen Naturlehrpfad, ganzjährig frei zugänglich. Ein ausgeschilderter Wanderweg beginnt am Parkplatz an der Buswendeschleife in Gülpe. Wenn die Kraniche in der Abenddämmerung laut trompetend einfliegen, ist das der perfekte Auftakt für eine Sternennacht – halte Abstand zum Ufer, damit die Vögel nicht aufgescheucht werden (redaktionelle Empfehlung).
Was du am Himmel sehen kannst
Weil hier praktisch nur das natürliche Himmelslicht leuchtet, siehst du in klaren Nächten nicht nur die Milchstraße. Laut Wikipedia ist sogar das Nachthimmellicht zu erkennen – ein schwaches Leuchten der hohen Atmosphäre, das sonst fast überall von künstlichem Streulicht überstrahlt wird. In den dunkelsten Gebieten sind mit bloßem Auge rund 6.500 Sterne sichtbar.
Anfahrt und Parken
Von Berlin aus erreichst du die Region laut wissen.de mit dem Regionalexpress; zum Gülper See fährst du mit dem RE 2 bis Rathenow und weiter mit dem Bus 684 nach Prietzen, von dort sind es rund 400 Meter bis zur Mühle am Südufer. Für einen Sternenabend weit draußen bist du mit dem Auto flexibler. Parken kannst du am Parkplatz an der Buswendeschleife in Gülpe oder an der Landstraße zwischen Gülpe und Prietzen. Das Besucherzentrum des Naturparks liegt in Milow (Gemeinde Milower Land).
Die beste Zeit und was du mitnehmen solltest
Am dunkelsten ist der Himmel in mondlosen Nächten rund um Neumond (redaktionelle Einschätzung). Im Herbst und Winter wird es früh dunkel; im Frühjahr und Herbst lässt sich der Abend mit den Zugvögeln verbinden.
- Warme Kleidung und Decke: In den feuchten Niederungen wird es nachts schnell kalt.
- Rotlicht-Lampe: blendet weniger als weißes Licht (redaktionelle Einschätzung).
- Fernglas oder Teleskop: Auf dem Sportplatz in Gülpe darfst du Teleskope aufbauen.
- Mückenschutz im Sommer: Das Feuchtgebiet ist nicht nur für Vögel attraktiv.
