Gleitschirmfliegen im Bayerischen Wald: ein Überblick
Die Mittelgebirgsrücken entlang der Grenze zu Tschechien bieten Gleitschirmfliegern genau das, was sie suchen: freie Hänge, Höhenunterschiede von mehreren hundert Metern und Thermik über den Tälern. Die bekanntesten Fluggebiete liegen im Landkreis Cham, also im Naturpark Oberer Bayerischer Wald: am Osser über dem Lamer Winkel und am Hohen Bogen bei Neukirchen beim Heiligen Blut. Für Gäste ohne eigenen Schein ist ein Tandemflug der einfachste Weg in die Luft.
Fluggebiet Osser: Über dem Lamer Winkel
Gestartet wird laut Tourist-Information Lamer Winkel auf der Osserwiese in rund 1.100 Metern Höhe. Gelandet wird unten in Lam, neben dem Hotel Sonnenhof – das sind etwa 550 Meter Höhenunterschied. Unter dir liegt der Lamer Winkel, vor dir der Kamm mit dem Großen Arber. Am Osser bieten der Gleitschirmverein Bayerwald und das Flugzentrum Bayerwald Tandemflüge an.
Der Osser: Grenzberg aus Glimmerschiefer
Der Große Osser ist 1.293 Meter hoch, über seinen Gipfel verläuft die Grenze zu Tschechien. Er besteht laut Wikipedia vor allem aus Glimmerschiefer, in dem sich bis zu vier Millimeter große Granate finden; das Landesamt für Umwelt führt ihn als eines von „Bayerns schönsten Geotopen“. Vom Gipfel reicht der Blick über den Böhmerwald, nach Süden zum Arber und an guten Tagen bis zu den Alpen. Unterhalb steht das Osserschutzhaus des Bayerischen Wald-Vereins, das im Sommer bewirtschaftet ist. Wer nicht fliegt, steigt von Lam oder Lohberg auf – die Wege sind meist steil und steinig.
Fluggebiet Hoher Bogen: nur für Erfahrene
Der Hohe Bogen bei Neukirchen beim Heiligen Blut ist ein Gelände für Fortgeschrittene. Laut Gleitschirmverein Bayerwald liegt der Höhenunterschied bei 320 bis 400 Metern, gestartet wird nach Norden und Nordosten. Fliegen dürfen dort nur erfahrene Piloten, und erst nach einer Einweisung durch ein erfahrenes Vereinsmitglied. Der Verein warnt vor großen Waldflächen, Lee-Turbulenzen und starkem Sinken auf der Südseite. Für Zuschauer ist der Hang trotzdem einen Besuch wert, wenn an einem Thermiktag viele Schirme in der Luft sind (redaktionelle Einschätzung).
Hoher Bogen für Nichtflieger
Der Hohe Bogen ist ein rund acht Kilometer langer Bergrücken zwischen Furth im Wald und Bad Kötzting, höchster Punkt ist der Schwarzriegel mit 1.079 Metern. Laut Wikipedia bringt dich ein Doppelsessellift in etwa 15 Minuten 393 Höhenmeter hinauf; an der Mittelstation beginnt eine Sommerrodelbahn. Oben steht der 75 Meter hohe Turm einer früheren NATO-Abhörstation, die 2004 geschlossen wurde. Seit Herbst 2014 kannst du zu festen Zeiten auf seine Aussichtsplattform in 50 Metern Höhe.
Tandemflug: Fliegen ohne eigenen Schein
Beim Tandemflug sitzt du vor einem ausgebildeten Tandempiloten im selben Gurtzeug. Er übernimmt Start, Flug und Landung, du läufst beim Start nur ein paar Schritte mit. Vorkenntnisse brauchst du nicht – die Piloten bereiten dich vor dem Flug ausführlich vor.
Was ein Tandemflug kostet
Die Preise hängen vom Gelände und von der Flugdauer ab. Das Flugzentrum Bayerwald nennt für einen Tandemflug im Flachland bei Erpfenzell nahe Regensburg, bei dem der Schirm per Winde in die Luft gezogen wird, 129 Euro für etwa sechs bis zehn Minuten Flug. Längere Flüge von Bergstartplätzen kosten mehr. Für Flüge am Osser fragst du am besten direkt bei den Anbietern nach (Preise nicht verifiziert).
Voraussetzungen
- Gewicht: Beim Flugzentrum Bayerwald liegt die Obergrenze bei 90 Kilogramm.
- Wetter: Geflogen wird nur bei passendem Wind und ohne Regen. Plane Ausweichtermine ein.
- Kleidung: Feste Schuhe mit gutem Profil und eine winddichte Jacke – in der Luft ist es kühler als am Boden (redaktionelle Einschätzung).
Selbst fliegen lernen
Wer den eigenen Schein machen möchte, beginnt mit einem Grundkurs an einer Flugschule. Das Flugzentrum Bayerwald in Wörth an der Donau wurde 1988 gegründet und ist nach eigenen Angaben das einzige DHV Performance Center in Ostbayern. Es bildet vom Schnupperkurs bis zur unbeschränkten Lizenz aus und schult unter anderem im flachen Gelände bei Regensburg mit Windenschlepp. Die Ausbildung folgt den Vorgaben des Deutschen Hängegleiterverbands (DHV).
Mit der Lizenz kommen weitere Fluggelände dazu. Viele Vereinsgelände setzen allerdings eine Einweisung voraus und haben eigene Regeln für Gastflieger.



