Was den Grainberg besonders macht
Der Grainberg liegt östlich von Karlstadt am Main im Landkreis Main-Spessart. Zusammen mit dem Kalbenstein und dem Saupurzel bildet er das Naturschutzgebiet „Grainberg-Kalbenstein und Saupurzel“, das sich bis Gambach erstreckt. Laut Regierung von Unterfranken ist es rund 302 Hektar groß und liegt auf den Gemarkungen von Karlstadt und Eußenheim. Erste Teile von Grainberg und Kalbenstein wurden bereits 1941 unter Schutz gestellt – damit gehört es zu den ältesten Naturschutzgebieten Unterfrankens.
Naturliebhaber schätzen hier die imposanten Felswände, die Ausblicke über das Maintal, die blühenden Felshänge und die lichten Kiefernwälder.
Ein Extremstandort mitten in Franken
Was den Grainberg ausmacht, sind seine extremen Bedingungen: weniger als 600 Millimeter Niederschlag im Jahr, ein kontinental geprägtes Klima, Hänge nach Süden, viele Steillagen und karge Böden aus Muschelkalk und Sand. Hier trifft der Muschelkalk der Mainfränkischen Platten auf den Buntsandstein des Spessarts.
Pflanzen haben sich daran angepasst: mit kleineren Blättern, mit einem Haarfilz gegen Verdunstung wie beim Apenninen-Sonnenröschen oder mit Wasserspeichern wie die Mauerpfeffer-Arten.
Wo Mittelmeer und Steppe sich treffen
Der Grainberg liegt auf einer Verbundachse zwischen dem Mittelmeerraum und der ungarischen Puszta. Deshalb treffen hier mediterrane und kontinentale Arten aufeinander. Es gibt sogar eine Pflanzengesellschaft, die laut Regierung von Unterfranken weltweit nur hier vorkommt: den Mainfränkischen oder Faserschirm-Erdseggen-Trockenrasen, benannt nach dem Blaugrünen Faserschirm und der Erd-Segge.
Auf den Trockenrasen wachsen Apenninen-Sonnenröschen, Federgräser, Kugellauch, Astlose Graslilie und zahlreiche Orchideen. Das 1998 entdeckte Karlstadter Steinbrech-Habichtskraut ist eine von fünf Pflanzenarten, die nur hier vorkommen.
Tiere am Grainberg
Zu den seltenen Tieren gehören Zippammer, Heidelerche und Uhu, Rot- und Blauflügelige Ödlandschrecke und die Italienische Schönschrecke, eine Heuschrecke aus dem Mittelmeerraum. Dazu kommen zahlreiche Schmetterlings- und Wildbienenarten. Auf Steinen leben seltene Flechten, und Wildbienen nisten darin – deshalb bittet die Regierung von Unterfranken, Steine nicht zu verrücken oder für Steinmännchen zu verwenden.
Natura 2000 und Pflege
Das Schutzgebiet ist der nördlichste Teil des knapp 860 Hektar großen FFH-Gebiets „Maintalhänge zwischen Gambach und Veitshöchheim“. Damit die offenen Trocken- und Magerflächen nicht zuwachsen, werden sie beweidet oder gemäht; verbuschte Bereiche werden wieder freigestellt. Bei Gambach wurden alte Weinbergmauern saniert, die wärmeliebenden Arten Lebensraum bieten. Von 2012 bis 2017 lief hier das EU-geförderte LIFE-Natur-Projekt „MainMuschelkalk“.
Wandern am Grainberg
Im Gebiet gibt es viele Wege, teils schmale Pfade. Durch große Teile führen der Saupurzel-Rundweg und der Karolingerweg (Markierung „K“); wer mehr Ausdauer hat, folgt dem Main-Wanderweg, der das Gebiet von Nord nach Süd durchzieht. Eine Tour von Karlstadt über den Kalbenstein stellen wir auf unserer Seite zur Tour K1 von Karlstadt zum Kalbenstein vor.
Regeln im Naturschutzgebiet
- Hunde an die Leine.
- Kein Feuer, kein Grillen, kein Zelten oder Lagern.
- Keine Pflanzen entnehmen, keine Tiere stören.
- Nicht mit Fahrzeugen auf den Wegen fahren und nur auf öffentlichen Flächen parken (ausgenommen beschilderte Radwege).
Praktische Hinweise
- Parken: Saupurzel (B 26), Flugplatz am Saupurzel (B 27), Falteshütte (B 26) oder Musikhalle Gambach.
- Schuhe: feste Schuhe – die Pfade sind teils schmal und steinig.
- Sonne: Die Südhänge sind im Sommer heiß und schattenarm – Wasser mitnehmen.
