Was den Lichtenhainer Wasserfall besonders macht
Der Lichtenhainer Wasserfall liegt im Kirnitzschtal in der Sächsischen Schweiz, südlich des Sebnitzer Ortsteils Lichtenhain. Hier stürzt der Lichtenhainer Dorfbach kurz vor seiner Mündung in die Kirnitzsch über Sandsteinfelsen. Groß ist der Fall nicht – berühmt ist er für ein Schauspiel: Das Wasser wird oberhalb gestaut und dann auf einmal losgelassen.
Der Wasserfallzieher: Inszenierung seit 1830
Den kleinen natürlichen Wasserfall erwähnte der Chronist der Sächsischen Schweiz, Wilhelm Leberecht Götzinger, schon 1812. 1830 wurde er für die Touristen aufgewertet: Ein kurzer Hangkanal erhöhte ihn, und ein aufziehbares Stauwehr sorgte für einen Schwall. Ein Lichtenhainer bekam das verpachtbare Amt des „Wasserfallziehers“. Er betrieb einen Ausschank und öffnete gegen Geld für ein paar Minuten das Wehr.
1994 wurde die historische Anlage restauriert. Seitdem zog der Wasserfallzieher wieder jede halbe Stunde am Wehr – zu Musik ließ er das Wasser erst langsam kommen und zum Schlussakkord die ganze Menge hinabstürzen.
Zerstört 2021, neu eröffnet 2025
Beim Starkregen am 17. Juli 2021 wurde die Anlage so schwer beschädigt, dass der Wasserfall praktisch nicht mehr existierte. In den folgenden Jahren wurde er rekonstruiert. Ab dem 1. November 2024 lief er im halbstündlichen Probebetrieb, am 11. April 2025 wurde er offiziell wieder eingeweiht.
Ein Klassiker des frühen Tourismus
Der Lichtenhainer Wasserfall war eine der Hauptattraktionen des historischen Fremdenverkehrs in der Sächsischen Schweiz. Im 19. Jahrhundert hieß er „Großer Wasserfall“, im Unterschied zum benachbarten Beuthenfall. Von hier aus ließen sich Reisende von Saumtierführern, Sesselträgern und Wanderführern zu den Zielen der Umgebung bringen. Das historische Preisschild mit Tarifen zwischen zwei und fünf Mark hängt noch heute am hölzernen „Wasserfallhäuschen“. Das Gasthaus in Fachwerk stammt von 1852.
Mit der Kirnitzschtalbahn zum Wasserfall
Seit 1898 fährt die Kirnitzschtalbahn durch das Tal, und seitdem kamen Hunderttausende Besucher zum Wasserfall. Die meterspurige Überlandstraßenbahn beginnt am Kurpark in Bad Schandau und endet nach knapp acht Kilometern und sieben Zwischenhalten am Lichtenhainer Wasserfall. Damit ist sie der kleinste Straßenbahnbetrieb Sachsens. Am Pfingstsamstag, dem 27. Mai 1898, fuhren die ersten Wagen zum Wasserfall; schon im Eröffnungsjahr zählte die Bahn rund 80.000 Fahrgäste.
Die Bahn fährt das ganze Jahr: laut Wikipedia im Winter etwa alle 70 Minuten, im Sommer im 30-Minuten-Takt. Parallel dazu verkehrt eine Buslinie durch das Kirnitzschtal. Auch die Bahn hat Hochwasser erlebt: Nach dem Hochwasser vom August 2010 fuhr sie erst seit Dezember 2012 wieder bis zum Wasserfall.
Im Nationalpark Sächsische Schweiz
Die Kirnitzschtalbahn führt in den Nationalpark Sächsische Schweiz. Rund um den Wasserfall liegt dessen östlicher Teil mit dem Großen Winterberg (556 Meter), dem Neuen Wildenstein mit dem Felsentor Kuhstall (337 Meter) und dem Raumberg. Die Kirnitzsch, die hier vorbeifließt, ist laut Wikipedia das einzige nennenswerte Gewässer in diesem Teil des Nationalparks. Sie entspringt in Böhmen und mündet bei Bad Schandau in die Elbe. Weiter oben im Tal gehört die Kirnitzschklamm zur Kernzone des Nationalparks.
Wandern ab dem Wasserfall
Der Wasserfall ist Ausgangspunkt für viel begangene Wanderwege – zu Zielen, die früher auch mit Pferd und Esel erreichbar waren:
- Kuhstall: das große Felsentor, laut Wikipedia rund 30 Minuten entfernt.
- Flößersteig: historischer Lehrpfad durch das Kirnitzschtal, rund 15 Kilometer.
- Malerweg: der Wanderweg, den Künstler von Caspar David Friedrich bis Otto Dix gingen.
- Affensteine, Frienstein und Kleiner Winterberg: Klettergebiete der Sächsischen Schweiz.
- Großer Winterberg: einer der höchsten Gipfel der Sächsischen Schweiz.
Für wen sich ein Besuch eignet
Der Wasserfall selbst ist ein kurzer Stopp und gut mit Kindern machbar – besonders, wenn sie den Schwall miterleben. Spannend wird der Ausflug, wenn du ihn mit einer Fahrt in der historischen Kirnitzschtalbahn und dem Weg zum Kuhstall verbindest.
Praktische Hinweise
- Anreise: Mit der Kirnitzschtalbahn ab Bad Schandau bis zur Endstation – oder mit dem Auto zum Parkplatz am Wasserfall.
- Schwall: Läuft im halbstündlichen Takt; Betriebszeiten im Winter nicht verifiziert.
- Einkehr: Gasthof Lichtenhainer Wasserfall direkt an der Anlage.
- Ähnliche Anlagen: Schwallwehre gibt es im Elbsandsteingebirge auch am Amselfall und in der Edmundsklamm.
