Winterwandern im Bayerischen Wald
Im Bayerischen Wald liegt oft lange Schnee – in den Hochlagen laut Nationalparkverwaltung bis zu zwei Meter. Damit man trotzdem ohne Schneeschuhe wandern kann, räumen viele Gemeinden eigene Winterwanderwege. Die meisten liegen im ArberLand, dem Landkreis Regen.
Alle geräumten Winterwanderwege im ArberLand
Laut Tourismusverband ArberLand (zusammen über 150 Kilometer):
- Arnbruck – Naturlehrpfad: 8,9 km, leicht
- Bayerisch Eisenstein – Zum Schwellhäusl: 8 km, mittel
- Bischofsmais – Habischried-Rundweg: 9 km, mittel
- Bodenmais – Chamer-Hütten-Weg: 8,46 km, mittel
- Bodenmais – Einkehr-Runde: 10,5 km, leicht
- Böbrach – Rathausplatz-Rundweg: 3 km, leicht
- Drachselsried – Rundweg Nr. 19: 6 km, leicht
- Frauenau – Rundweg Nr. 13: 7,5 km, mittel
- Gotteszell – Kleiner Rundweg Nr. 31: 4 km, leicht
- Kirchberg im Wald – Bienen- und Naturlehrpfad: rund 1 km, leicht
- Kirchdorf im Wald – Rundweg: 7,5 km, leicht
- Kollnburg – Panorama-Route: 4,5 km, mittel
- Langdorf – Weg Ld 8: 4,5 km
- Lindberg – Weg Nr. 22: 10,5 km, mittel
- Prackenbach – Gesamtstrecke: 12 km, mittel
- Regen – Zum Kammerl: 8 km, leicht
- Rinchnach – Unterasberg-Route: 5 km, leicht
- Teisnach – Markierter Zielweg: 4 km, mittel
- Viechtach – Großer Pfahl: 5 km, leicht
- Zwiesel – Rabensteinrunde: 3,5 km, leicht
Fünf Wege im Detail
Für einige Wege beschreibt der Tourismusverband ArberLand den Verlauf genauer. Alle Angaben von dort:
Bodenmais: Chamer-Hütten-Weg
Start am Rathaus in Bodenmais. Der Weg führt über den Buchhüttenschachten hinauf zur Chamer Hütte – rund 8,5 Kilometer, mittelschwer. Schachten sind alte Weideflächen im Bergwald, die im Winter als weite, verschneite Lichtungen besonders schön sind. An der Chamer Hütte kannst du einkehren; laut Tourismusverband gibt es dort auch eine Möglichkeit, mit dem Schlitten abzufahren.
Bodenmais: Einkehr-Runde
Ebenfalls ab dem Rathaus, 10,5 Kilometer, leicht. Die Runde führt durch Ortsteile wie Glashütte und Riederin und kommt an mehreren Einkehrmöglichkeiten vorbei, darunter Böhmhof, Kuhalm und die Gutsalm Harlachberg. Damit ist sie die gemütlichste lange Tour der Liste.
Bayerisch Eisenstein: Zum Schwellhäusl
Start am Wanderpark, Parken kostenlos. 8 Kilometer, mittelschwer, Ziel ist eine urige Gastwirtschaft mit Kachelofen. Bayerisch Eisenstein liegt direkt an der Grenze zu Tschechien und zu Füßen des Großen Arbers.
Regen: Zum Kammerl
Start am historischen Stadtplatz in Regen. Der Weg führt über die Ludwigsbrücke, durch den Kurpark und am Skulpturenweg entlang zum Schwarzen Regen – 8 Kilometer, leicht. Im Winter bilden sich laut Tourismusverband an den kleinen Wasserfällen funkelnde Eiskristalle.
Prackenbach: Gesamtstrecke
Mit 12 Kilometern die längste Tour. Start am Dorfbrunnen in Moosbach, unterwegs passierst du den Moosbacher Pfahl, die Kesselbodenkapelle, einen Aussichtspunkt und ein Blockmeer.
Der Große Pfahl bei Viechtach
Einer der ungewöhnlichsten Winterwanderwege führt am Großen Pfahl entlang. Der Pfahl ist laut Wikipedia ein rund 150 Kilometer langer Quarzgang, der sich von der Oberpfalz bis ins österreichische Mühlviertel zieht. Entstanden ist er vor etwa 275 Millionen Jahren, als heiße Lösungen eine Bruchzone mit Quarz füllten; das Gestein besteht zu bis zu 98 Prozent aus Kieselsäure. Weil Quarz härter ist als das Gestein drumherum, blieb er bei der Verwitterung als Rücken stehen.
Bei Viechtach ragen die weißen Quarzfelsen rund 30 Meter auf. 2006 wurde der Pfahl als einer der 77 Nationalen Geotope Deutschlands ausgezeichnet, schon 2002 erhielt der Große Pfahl das bayerische Gütesiegel „Schönste Geotope“. Abgebaut wurde der Quarz von 1892 bis 1993.
Der Winterwanderweg ist laut ArberLand drei bis fünf Kilometer lang und leicht; Start ist am Parkplatz an der B85 oder am Parkplatz P1 in Viechtach. Am Klopferplatz können Kinder nach Kristallen suchen, im Alten Rathaus gibt es eine Dauerausstellung.
Der Arber im Winter
Über dem ArberLand steht der Große Arber, mit 1.455,5 Metern der höchste Berg des Bayerischen Waldes. Im Winter ist er für ein besonderes Phänomen bekannt: Ostwind und Eis lassen an den Fichten auf dem Gipfel bizarre Gebilde entstehen, die sogenannten Arbermandl. An seinen Flanken liegen zwei Karseen, der Große und der Kleine Arbersee. Der Gipfel ist im Winter ein Skigebiet – wer dort oben wandern will, bleibt auf den Wegen und meidet die Pisten.
Ohne Auto unterwegs
Viele der Wege sind mit Bus und Bahn erreichbar. Laut Tourismusverband fährst du mit der GUTi-Gästekarte kostenlos mit den Wanderbussen im ArberLand; die Rabensteinrunde in Zwiesel startet zum Beispiel am Parkplatz Kaisersteig, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Den aktuellen Zustand der Wege und die Schneelage meldet der Loipenbericht des ArberLands.
Tipps: welcher Weg für wen?
- Mit Kindern: der kurze Rathausplatz-Rundweg in Böbrach (3 km) oder die Rabensteinrunde in Zwiesel (3,5 km).
- Mit Einkehr: die Einkehr-Runde in Bodenmais (10,5 km, leicht).
- Für eine längere Tour: die Gesamtstrecke in Prackenbach (12 km).
- Mit Wasser und Eis: der Weg „Zum Kammerl“ in Regen, der am Schwarzen Regen entlang zu den kleinen Wasserfällen führt.
- Nah am Arber: die Tour zum Schwellhäusl in Bayerisch Eisenstein (8 km), die mit einer Einkehr am Kachelofen endet.
- Mit Naturerlebnis: der Große Pfahl in Viechtach – ein Quarzriff, das als Pfahl rund 150 Kilometer durch den Bayerischen Wald zieht.
Im Nationalpark Bayerischer Wald
Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde am 7. Oktober 1970 gegründet und ist laut Wikipedia der erste Nationalpark Deutschlands. Er umfasst 24.945 Hektar an der Grenze zu Tschechien; zusammen mit dem benachbarten Nationalpark Šumava bildet er das größte zusammenhängende Waldschutzgebiet Mitteleuropas. Höchste Gipfel sind der Große Rachel (1.453 m), der Lusen (1.373 m) und der Große Falkenstein (1.315 m). Leitlinie ist „Natur Natur sein lassen“ – auch abgestorbene Fichten bleiben stehen, der Wald erneuert sich selbst.
Die meisten markierten Wege im Nationalpark werden im Winter nicht geräumt. Im Kerngebiet gilt von Mitte November bis Mitte Juli ein Wegegebot – vor allem zum Schutz des Auerhuhns. Rundwege erkennst du an Tiersymbolen auf gelbem Grund. Mehr zum Nationalpark liest du auf unserer Seite zum Nationalpark Bayerischer Wald.
Geräumt heißt nicht schneefrei
Ein geräumter Winterwanderweg ist kein gestreuter Gehweg. Je nach Gemeinde wird der Schnee mit dem Pflug geschoben oder mit einer Maschine festgewalzt; zurück bleibt eine feste, aber oft glatte Schneedecke. Nach Neuschnee dauert es eine Weile, bis alle Wege wieder befahren sind, und bei Tauwetter mit anschließendem Frost können ganze Abschnitte vereisen. Wirf deshalb vor dem Start einen Blick in den Loipen- und Wegebericht des ArberLands und plane auf schattigen Waldwegen mit Eis.
Loipen sind für Langläufer gespurt und für Fußgänger tabu – auch wenn sie manchmal parallel zum Winterwanderweg verlaufen. Wer zu Fuß in der Spur läuft, zerstört sie für alle anderen.
Was du mitnehmen solltest
- Schuhe: feste, wasserdichte Winterschuhe mit griffiger Sohle, dazu Grödel für vereiste Stellen.
- Orientierung: Karte oder Offline-Karte, aufgeladenes Handy und eine Stirnlampe – im Wald wird es im Winter früh dunkel.
- Kleidung: mehrere Schichten, damit du beim Aufstieg nicht durchschwitzt und in der Pause nicht auskühlst; Mütze und Handschuhe.
- Verpflegung: ein heißes Getränk, Snacks und ein kleines Erste-Hilfe-Set. Auch auf Wegen mit Einkehr kann eine Hütte unerwartet geschlossen sein.



