Was den Nationalpark Bayerischer Wald besonders macht
Am 7. Oktober 1970 wurde der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet – als erster Nationalpark Deutschlands. Er liegt im Osten Bayerns an der Grenze zu Tschechien, in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen. 1997 kamen 10.950 Hektar dazu, 2020 und 2022 noch einmal rund 600 Hektar. Heute umfasst er 24.945 Hektar, also knapp 250 Quadratkilometer.
Direkt jenseits der Grenze schließt der tschechische Nationalpark Šumava mit 68.064 Hektar an. Zusammen bilden die beiden Schutzgebiete die größte zusammenhängende Waldschutzfläche Mitteleuropas.
Natur Natur sein lassen
Das Leitbild des Nationalparks lautet „Natur Natur sein lassen“. Auf gut drei Vierteln der Fläche – der Naturzone mit 75,37 Prozent – darf sich der Wald ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Die Managementzone macht 22,68 Prozent aus, die Erholungszone 1,95 Prozent (Stand 2024). Nachgewiesen sind hier mehr als 13.700 Arten, darunter über 1.600 Käfer- und über 2.000 Pilzarten.
Naturschutzpark, Nationalpark oder Naturpark?
Viele suchen nach dem „Naturschutzpark Bayerischer Wald“ – gemeint ist damit meist der Nationalpark Bayerischer Wald, so lautet sein offizieller Name. Nicht zu verwechseln ist er mit dem Naturpark Bayerischer Wald: Den gibt es seit 1967, er ist rund 2.783 Quadratkilometer groß, reicht über die Landkreise Regen, Freyung-Grafenau, Straubing-Bogen und Deggendorf und wird vom Verein Naturpark Bayerischer Wald e. V. mit Sitz in Zwiesel getragen. Der Nationalpark grenzt im Osten an ihn an.
Ein Wald aus Fichten
Den Wald im Nationalpark prägt vor allem die Fichte. Laut der Waldinventur 2002/03 stellt sie in den Hochlagen 90 Prozent, in den Tallagen 83 Prozent und in den Hanglagen 58 Prozent der Bäume der Oberschicht. In den Hochlagen wächst fast ausschließlich die Gemeine Fichte, in den Hanglagen ist die Buche mit 34 Prozent deutlich stärker beteiligt. In den feuchten Tallagen steht ein Aufichtenwald, in dem ebenfalls die Fichte vorherrscht.
Steckbrief: Nationalpark Bayerischer Wald
Die wichtigsten Zahlen und Fakten auf einen Blick:
- Gegründet: am 7. Oktober 1970 als erster Nationalpark Deutschlands.
- Lage: im Osten Bayerns an der Grenze zu Tschechien, in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen.
- Fläche: 24.945 Hektar, knapp 250 Quadratkilometer; zusammen mit dem tschechischen Nationalpark Šumava die größte zusammenhängende Waldschutzfläche Mitteleuropas.
- Leitbild: „Natur Natur sein lassen“ – auf 75,37 Prozent der Fläche (Naturzone) entwickelt sich der Wald ohne Eingriffe (Stand 2024).
- Höchster Berg: Großer Rachel mit 1.453 Metern.
- Häufigste Baumart: die Fichte, in den Hochlagen mit 90 Prozent der Bäume der Oberschicht.
- Artenvielfalt: mehr als 13.700 nachgewiesene Arten.
- Wege: über 500 Kilometer markierte Wanderwege.
- Besucherzentren: Nationalparkzentrum Lusen in Neuschönau und Nationalparkzentrum Falkenstein in Ludwigsthal.
Die höchsten Berge im Nationalpark
- Großer Rachel: 1.453 Meter
- Lusen: 1.373 Meter
- Großer Falkenstein: 1.315 Meter
Anfahrt und Parken
Die beiden wichtigsten Anlaufpunkte sind die Nationalparkzentren. Das Nationalparkzentrum Lusen liegt in Neuschönau (Böhmstraße 39) und hat eine eigene Igelbus-Haltestelle. Das Nationalparkzentrum Falkenstein mit dem Haus zur Wildnis liegt in Ludwigsthal und ist mit der Waldbahn und dem Igelbus erreichbar.
Parken: An beiden Zentren gibt es gebührenpflichtige Parkplätze, am Haus zur Wildnis an der Eisensteiner Straße 20.
Was man im Nationalpark Bayerischer Wald machen kann
Nationalparkzentrum Lusen: Tier-Freigelände und Baumwipfelpfad
Zum Nationalparkzentrum Lusen gehören das Hans-Eisenmann-Haus, das Tier-Freigelände, der Baumwipfelpfad sowie ein Pflanzen- und ein Gesteins-Freigelände. Das Tier-Freigelände ist über 200 Hektar groß; ein sieben Kilometer langer Rundweg führt zu rund 40 Säugetier- und Vogelarten, darunter Luchs, Wolf, Bär, Wisent, Fischotter, Habichtskauz und Auerhahn. Es ist ganzjährig frei zugänglich, kostenlos und mit Kinderwagen und Rollstuhl befahrbar.
Der Baumwipfelpfad ist 1.300 Meter lang und führt bis zu 44 Meter über dem Waldboden. Er wird von einem eigenen Betreiber geführt und kostet Eintritt.
Nationalparkzentrum Falkenstein: Haus zur Wildnis
Im Haus zur Wildnis in Ludwigsthal dreht sich die Ausstellung um Walddynamik, Urwald und Totholz – mit Kindererlebnisraum und 3D-Kino. Draußen führt ein rund drei Kilometer langer Rundweg (etwa 90 Minuten) an Gehegen mit Luchs und Wolf sowie Wildpferden und Urrindern vorbei, dazu kommt eine nachgebaute Steinzeithöhle. Der Rundweg ist ganzjährig frei zugänglich, im Winter geräumt und für Kinderwagen und Rollstühle geeignet.
Wandern
Im Nationalpark gibt es mehr als 500 Kilometer markierte Wege – vom kurzen Rundweg an den Zentren bis zu Touren auf Rachel, Lusen und Falkenstein.
Praktische Hinweise
- Öffnungszeiten Haus zur Wildnis (laut Nationalparkverwaltung): 26. Dezember bis 30. April 9–17 Uhr, 1. Mai bis 9. November 9–18 Uhr, vom 10. November bis 25. Dezember geschlossen.
- Hans-Eisenmann-Haus: Öffnungszeiten und Eintritt vor dem Besuch auf der Website des Nationalparks prüfen.
- Kosten: Tier-Freigelände kostenlos; Parkplätze an den Zentren und der Baumwipfelpfad kosten Gebühren.
- Barrierefreiheit: Die Rundwege der Tier-Freigelände an beiden Zentren sind laut Nationalparkverwaltung rollstuhlgeeignet.
