Was ist ein Baumwipfelpfad?
Ein Baumwipfelpfad – auch Baumkronenpfad oder Baumkronenweg genannt – ist ein Lehrpfad auf Stegen und Plattformen, der in Höhe der Baumkronen durch den Wald führt. Unterwegs erklären Stationen, wie der Wald funktioniert. Fast immer gehört ein Aussichtsturm dazu.
Der erste Baumkronenpfad Deutschlands eröffnete am 26. Juni 2003 in Fischbach bei Dahn in der Pfalz; nach mehr als 20 Jahren wurde er im Oktober 2023 geschlossen. Seitdem sind in fast allen Regionen neue Pfade entstanden: Die Wikipedia-Übersicht zu Baumkronenpfaden führt für Deutschland 22 Pfade in zehn Bundesländern auf, einer davon – Fischbach – ist inzwischen geschlossen. Alle Angaben unten stammen aus der Wikipedia-Übersicht zu Baumkronenpfaden; Öffnungszeiten und Preise legen die Betreiber fest.
Die längsten Baumwipfelpfade
- Panarbora, Waldbröl (Nordrhein-Westfalen): 1.635 Meter, 23 Meter hoch, Turm 40 Meter, mit Natur-Lerninseln.
- Baumwipfelpfad Usedom, Heringsdorf (Mecklenburg-Vorpommern): 1.350 Meter, 23 Meter hoch, Turm 33 Meter, mit begehbarem Netz.
- Baumwipfelpfad Bayerischer Wald, Neuschönau (Bayern): 1.300 Meter; der eiförmige Turm ist 44 Meter hoch und schließt drei hohe Bäume ein.
- Baumwipfelpfad Schwarzwald, Bad Wildbad (Baden-Württemberg): 1.250 Meter samt Rampe, 20 Meter hoch, Turm 38,5 Meter, barrierefrei und stufenfrei.
- Baumwipfelpfad Saarschleife, Orscholz (Saarland): 1.250 Meter, 23 Meter hoch, Turm 42 Meter, mit Blick auf die Saarschleife.
- Naturerbe-Zentrum Rügen, Prora (Mecklenburg-Vorpommern): 1.250 Meter, 17 Meter hoch, Turm 40 Meter in Form eines Adlerhorsts.
- Baumwipfelpfad Steigerwald, Ebrach (Bayern): 1.150 Meter, 26 Meter hoch, Turm 42 Meter.
- Baumwipfelpfad Bad Harzburg (Niedersachsen): 1.000 Meter, 20 Meter hoch, spiralförmige Rampe, barrierefrei.
Vier Pfade im Porträt
Baumwipfelpfad Bayerischer Wald
Der Pfad am Nationalparkzentrum Lusen in Neuschönau eröffnete am 9. September 2009 und galt laut Wikipedia damals als längster seiner Art weltweit. Der 1.300 Meter lange Rundweg verläuft in 8 bis 25 Metern Höhe. Sein Wahrzeichen ist der eiförmige, 44 Meter hohe Turm: Eine 520 Meter lange Rampe windet sich um drei große Bäume nach oben, nur die letzten vier Meter sind Stufen. Mit höchstens sechs Prozent Steigung ist die Anlage barrierefrei. Geöffnet ist sie laut Wikipedia ganzjährig außer an Heiligabend; bei Gewitter oder Eis bleibt der Turm geschlossen. Vom Turm blickst du über die Wälder des ersten Nationalparks Deutschlands.
Baumkronenpfad Hainich
Im Nationalpark Hainich, rund zehn Kilometer westlich von Bad Langensalza, eröffnete am 26. August 2005 die erste Schleife des Pfades mit 238 Metern; 2009 kam eine zweite mit 308 Metern dazu. Der Pfad erreicht bis zu 44 Meter Höhe, der Baumturm ist 40 Meter hoch und trägt eine Wetterstation der Universität Göttingen. Die Anlage dient auch der Forschung: Hier werden Kleinsäuger, Vögel, Käfer, Spinnen und Schmetterlinge in der Kronenschicht untersucht. Der Hainich gehört seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe der alten Buchenwälder – vom Pfad aus siehst du, wie dicht dieses Blätterdach ist. Am Eingang liegt die Thiemsburg, wo früher eine mittelalterliche Waldarbeitersiedlung stand.
Baumwipfelpfad Saarschleife
Der 1.250 Meter lange Pfad in Orscholz bei Mettlach wurde am 23. Juli 2016 eröffnet. Er führt vom Cloef-Atrium in bis zu 23 Metern Höhe zu einem 42 Meter hohen Aussichtsturm, von dem aus du die berühmte Flussschleife der Saar von oben siehst. Der Steg ist mindestens 2,5 Meter breit und mit maximal sechs Prozent Steigung rollstuhlgerecht. Gebaut wurde er laut Wikipedia zu rund 80 Prozent aus Holz, vor allem Douglasie und Lärche.
Baumwipfelpfad Schwarzwald
Auf dem Sommerberg bei Bad Wildbad eröffnete 2014 dieser Pfad auf rund 750 Metern Höhe. Der Steg ist 636 Meter lang und verläuft 4 bis 20 Meter über dem Boden; im 38,5 Meter hohen Holzturm führt eine Rampe in neun Umdrehungen nach oben. Wer nicht zurücklaufen will, nimmt die 55 Meter lange Rutsche. Erreichbar ist der Pfad von der Bergstation der Sommerbergbahn oder vom Parkplatz aus; die gesamte Anlage ist barrierefrei.
Weitere Baumwipfelpfade nach Bundesland
Bayern
- Skywalk Allgäu, Scheidegg: 540 Meter, mit Blick in die Alpen.
- Baumkronenweg Ziegelwies, Füssen: 480 Meter, 21 Meter hoch; ein Endpunkt liegt auf Tiroler Boden.
- Waldwipfelweg Sankt Englmar–Maibrunn: 370 Meter, 30 Meter hoch.
Hessen
- Baumwipfelweg Bad Camberg: 800 Meter, 31 Meter hoch (eröffnet 2023).
- Baumkronenpfad Hoherodskopf, Breungeshain: 500 Meter, eine schwebende Konstruktion, die nur mit den Bäumen verbunden ist.
- TreeTopWalk am Edersee, Edertal-Rehbach: 250 Meter, 30 Meter hoch.
Niedersachsen
- Heide-Himmel, Nindorf am Walde: 700 Meter, Turm 40 Meter, barrierefrei.
- Baumwipfelpfad Bad Iburg: 435 Meter, mit Aufzug im Turm.
Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
- Baumkronenpfad Ivenacker Eichen, Ivenack: 620 Meter, Turm 40 Meter, barrierefrei mit Aufzug, mit Blick auf die uralten Ivenacker Eichen.
- Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten: 320 Meter, Turm 40,5 Meter mit Aufzug; der Pfad führt über die Ruine eines Sanatoriums.
Thüringen
- Baumkronenpfad Hainich, Bad Langensalza: 546 Meter in zwei Schleifen, bis zu 44 Meter hoch, im Nationalpark Hainich.
Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen
- Baumkronenweg Waldkirch: 200 Meter, 23 Meter hoch, mit Röhrenrutsche.
- Baumkronenpfad Schloss Beck, Bottrop-Kirchhellen: 200 Meter über 14 Stahlbrücken.
Der Wald von oben
Ein Baumwipfelpfad zeigt eine Seite des Waldes, die man vom Boden aus kaum sieht. In den Kronen spielt sich ein großer Teil des Lebens ab: Hier wachsen Blätter und Früchte, hier nisten Vögel, hier leben Insekten, Spinnen und Kleinsäuger. Wie wichtig diese Kronenschicht ist, zeigt der Pfad im Hainich, an dem Forscher genau diese Tiere untersuchen. Unterwegs erklären Stationen, wie Bäume Licht, Wasser und Nährstoffe verteilen, warum Totholz für den Wald wichtig ist und wie sich ein Wald über Jahrzehnte verändert.
Für Kinder sind die Pfade oft das Highlight eines Ausflugs: Viele haben Balancierelemente, Netze oder Rutschen. Wer mit kleinen Kindern kommt, sollte trotzdem einplanen, dass die Wege lang sind und der Aufstieg auf den Turm noch einmal Zeit kostet.
Baumwipfelpfade im Winter
Viele Pfade sind das ganze Jahr geöffnet – der im Bayerischen Wald etwa laut Wikipedia an allen Tagen außer an Heiligabend. Gerade im Winter haben sie einen eigenen Reiz: Die Laubbäume sind kahl, der Blick reicht weiter, und mit Raureif oder Schnee auf den Ästen sieht der Wald von oben ganz anders aus. Bei Eis, Sturm oder Gewitter werden Türme und Stege allerdings aus Sicherheitsgründen gesperrt. Prüfe vor der Fahrt auf der Website des Betreibers, ob geöffnet ist, und zieh dich warm an: Auf dem Turm bist du dem Wind deutlich stärker ausgesetzt als unten im Wald.
Barrierefreie Baumwipfelpfade
Mit Rollstuhl oder Kinderwagen gut erreichbar sind laut Wikipedia unter anderem die Pfade in Bad Wildbad (stufenfrei), Bad Harzburg, Nindorf am Walde (Heide-Himmel) und Ivenack. In Beelitz-Heilstätten, Ivenack und Bad Iburg führt ein Aufzug auf den Turm; der Baumwipfelpfad im Bayerischen Wald ist laut Nationalparkverwaltung nach „Reisen für Alle“ zertifiziert.
Viele der neueren Pfade sind so gebaut, dass die Steigung sechs Prozent nicht übersteigt – das gilt laut Wikipedia unter anderem im Bayerischen Wald, an der Saarschleife und in Bad Wildbad. Im Bayerischen Wald sind nur die letzten vier Meter des Turms Stufen.
Tipps für den Besuch
- Früh kommen: Mittags und an Wochenenden ist auf den bekannten Pfaden viel los (redaktionelle Einschätzung).
- Eintritt: Die Pfade werden von privaten Betreibern geführt und kosten Eintritt – Preise und Öffnungszeiten vorab prüfen.
- Winter: Viele Pfade haben auch im Winter geöffnet; bei Eis und Sturm können sie gesperrt sein.
- Kombinieren: Der Baumwipfelpfad im Bayerischen Wald liegt am Nationalparkzentrum Lusen – mehr auf unserer Seite zum Nationalpark Bayerischer Wald.



