Urschlauer Ache bei Ruhpolding im Chiemgau
Foto: Rudolf Pohl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Winterwanderung im Chiemgau: 10 Touren von Reit im Winkl bis zum Chiemsee

Rund 280 Kilometer Winterwege machen den Chiemgau zu einer der größten Winterwanderregionen Bayerns. Hier liegen auch die ersten Premium-Winterwanderwege Deutschlands. Zehn Touren mit Länge und Gehzeit – vom Moor bei Bergen bis zum Ufer des Chiemsees.

Veröffentlicht am 7. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Winterwandern im Chiemgau

Laut Chiemsee-Chiemgau-Tourismus gibt es in der Region rund 280 Kilometer Winterwege mit 87 Touren – von leicht bis schwer. Besonders viele liegen in Reit im Winkl, Ruhpolding, Inzell, Bergen, Tittmoning und im Achental. Zwei Wege tragen das Deutsche Wandersiegel als Premium-Winterwanderweg.

Der Chiemgau ist eine historisch gewachsene Landschaft im Südosten Oberbayerns, laut Wikipedia rund 2.500 Quadratkilometer groß. Im Süden steigen die Chiemgauer Alpen auf knapp 2.000 Meter an, im Norden prägen Hügel, Wiesen, Wälder, Moore und Seen das Bild – eine Landschaft, die die Gletscher der letzten Eiszeit geformt haben. Der Name geht vermutlich auf Chieming am Ostufer des Chiemsees zurück. Für Winterwanderer heißt das: Du kannst dich zwischen verschneiten Almen in den Bergen und ruhigen Wegen am See und im Moor entscheiden.

Aus München erreichst du die Region laut Tourismusverband in ein bis zwei Stunden mit dem Auto und in anderthalb bis zwei Stunden mit der Bahn.

Reit im Winkl: die Premium-Winterwanderwege

Reit im Winkl liegt auf 696 Metern und ist laut Wikipedia die höchstgelegene Gemeinde im Landkreis Traunstein. Der Ort liegt im Talkessel an der Grenze zu Tirol, auf drei Seiten von Bergen umgeben. Weil sich dort Wolken stauen und kalte Luft im Tal liegen bleibt, trägt er den Spitznamen „Schneeloch“ – schon seit dem 19. Jahrhundert ist er deshalb ein Winterziel. Für Winterwanderer bedeutet das: Die Chance auf eine geschlossene Schneedecke ist hier besser als in vielen anderen Orten der Region.

Laut Gemeinde Reit im Winkl werden die Winterwanderwege dort gewalzt und nicht geräumt und gestreut. So entsteht eine feste, gut begehbare Schneedecke; Stöcke werden empfohlen, Schneeschuhe brauchst du auf diesen Wegen nicht.

1. Panoramaweg auf der Hemmersuppenalm

Der erste Winterwanderweg Deutschlands mit dem Deutschen Wandersiegel: eine gewalzte Runde mit 6,5 Kilometern, 154 Höhenmetern und rund zwei Stunden Gehzeit, mit weitem Blick auf die verschneiten Berge. Die Hemmersuppenalm liegt über dem Ort – oben gehst du über offene Almflächen, auf denen im Sommer Vieh weidet.

2. Kaiserblick im Tal

Der zweite Premium-Winterwanderweg: 6,4 Kilometer, 60 Höhenmeter, rund zwei Stunden; das Deutsche Wanderinstitut gibt rund 7 Kilometer an. Start ist am Langlaufstadion am Festsaal an der Tiroler Straße, der gewalzte Weg folgt der Lofer durch den verschneiten Talboden mit Blick auf das Kaisergebirge. Laut Wanderinstitut verläuft er vollständig auf Naturwegen, ist seit 2011 zertifiziert und eignet sich besonders für Einsteiger. Die Bushaltestelle Festsaal liegt rund 50 Meter vom Start entfernt. Wichtig: Markiert ist der Weg nur in der Wintersaison.

3. Moarlack

Mittelschwer: 5,7 Kilometer, 86 Höhenmeter, rund 2 Stunden 15 Minuten.

4. Wildalm

Mittelschwer: 5,2 Kilometer, 204 Höhenmeter, rund 1 Stunde 50 Minuten.

Ruhpolding, Inzell, Bergen und Marquartstein

5. Urschlauer Ache

Eine kurze, leichte Runde an der Urschlauer Ache bei Ruhpolding: 3,6 Kilometer, 40 Höhenmeter, rund 45 Minuten. Laut Tourismusverband ist der Weg nicht immer präpariert – den Stand vorher auf der Tourenseite prüfen.

6. Frillenseerunde Inzell

Die längere Tour bei Inzell: 10,9 Kilometer, 310 Höhenmeter, rund drei Stunden, als familienfreundlich beschrieben. Namensgeber ist der Frillensee rund fünf Kilometer östlich von Inzell auf 922 Metern. Der nur 340 Meter lange Bergsee gilt laut Wikipedia als kältester See Mitteleuropas und friert ungewöhnlicherweise von der Mitte her zu. Im Januar 1960 fanden hier sogar Eisschnelllauf-Meisterschaften statt, bevor Inzell 1963 seine Kunsteisbahn bekam.

7. Panoramarunde Bergener Moorlandschaft

Durch das winterliche Moor bei Bergen: 5,4 Kilometer, 83 Höhenmeter, rund anderthalb Stunden, leicht – mit Blick auf die Alpen.

8. Um den Staffen

5,2 Kilometer, 240 Höhenmeter, rund zwei Stunden. Der Winterwanderweg verläuft auf der Hochplatte und gibt laut Tourismusverband den Blick frei auf die weiße Landschaft rund um den Chiemsee.

Die Chiemgauer Alpen als Kulisse

Über vielen der Touren stehen die Chiemgauer Alpen. Laut Wikipedia sind sie „nicht besonders schroff“, sondern eher sanft geformt – deshalb sind sie gerade im Winter ein dankbares Ziel für Wanderer, die keine hochalpinen Touren gehen wollen. Ihr höchster Gipfel ist das Sonntagshorn mit 1.961 Metern an der Grenze zum Salzburger Land bei Ruhpolding. Bekannte Berge sind außerdem der Hochgern (1.748 m), der Hochfelln (1.674 m), die Kampenwand (1.669 m) und der Rauschberg (1.645 m).

Von den Winterwanderwegen im Tal und auf den Almen siehst du diese Gipfel meist aus der Distanz. Die Gipfel selbst sind im Winter kein Ziel für Winterwanderer: Wege jenseits der präparierten Strecken sind dann oft vereist oder lawinengefährdet. Bleib bei Touren in den Bergen auf den markierten Winterwanderwegen.

Am Chiemsee

Der Chiemsee ist mit 79,9 Quadratkilometern laut Wikipedia der größte See Bayerns und der drittgrößte Deutschlands. Er ist als Ramsar-Gebiet international als Feuchtgebiet geschützt; im Winter rasten hier Höckerschwäne und viele Zugvögel. Wege am Ufer sind flach – ideal, wenn in den Bergen Neuschnee oder Nebel liegt.

9. Winterspaziergang ab der Naturbeobachtungsstation Chieming

3,8 Kilometer, 23 Höhenmeter, rund eine Stunde, leicht. Laut Tourismusverband ein ruhiger Rundweg mit See- und Bergblick und guten Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung – nimm ein Fernglas mit.

10. Zum Chiemsee

Die längste Tour dieser Auswahl: 11,8 Kilometer, aber nur 25 Höhenmeter, rund dreieinhalb Stunden. Sie führt am See und an einem Bach entlang, unterwegs gibt es Einkehrmöglichkeiten.

Kurz und flach: Auenlehrpfad Tittmoning

Wer nur eine gute halbe Stunde Zeit hat, findet in Tittmoning im Norden des Chiemgaus einen leichten Lehrpfad durch die Auen: 2,4 Kilometer, rund 35 Minuten.

Alle Längen stammen von Chiemsee-Chiemgau-Tourismus, der Gemeinde Reit im Winkl bzw. dem Deutschen Wanderinstitut. Start, Höhenmeter und Wegbeschreibung findest du dort.

Welche Tour passt zu dir?

  • Zum Einstieg: der Kaiserblick in Reit im Winkl. 60 Höhenmeter, gewalzt, mit dem Bus erreichbar.
  • Mit Bergpanorama: der Panoramaweg auf der Hemmersuppenalm oder die Runde um den Staffen.
  • Flach und ruhig: die Wege am Chiemsee bei Chieming und die Panoramarunde durch die Bergener Moorlandschaft.
  • Für einen ganzen Tag: die Frillenseerunde (10,9 km, 310 Hm) oder die Tour zum Chiemsee (11,8 km).

Was in den Rucksack gehört

Auch auf gewalzten Wegen bist du im Winter länger unterwegs, als die Kilometer vermuten lassen: Der Schnee bremst, Pausen fallen kürzer aus, und der Wind auf freien Almflächen kühlt schnell aus. Pack deshalb ein heißes Getränk in der Thermoskanne, einen Snack, eine zusätzliche warme Schicht, Mütze und Handschuhe ein. Feste, wasserdichte Schuhe mit griffiger Sohle sind Pflicht, Stöcke mit Wintertellern geben Halt. Ein aufgeladenes Handy mit Offline-Karte und eine Stirnlampe gehören auf längeren Touren dazu. Wie du dich allgemein im Schnee sicher bewegst, steht in unserem Ratgeber Winterwanderwege.

Praktische Hinweise

  • Einkehr: An vielen Wegen liegen Hütten – Öffnungszeiten im Winter vorab prüfen.
  • Schnee: Ob die Wege gewalzt sind, hängt von der Schneelage ab. Der Tourismusverband zeigt bei jeder Tour an, ob sie aktuell geöffnet ist.
  • Grödel helfen auf vereisten Abschnitten in den Tälern.
  • Moor und Seeufer: In der Bergener Moorlandschaft und am Chiemsee auf den Wegen bleiben – rastende Vögel und das Moor sind im Winter besonders empfindlich.
  • Tageslicht: Im Winter wird es früh dunkel. Längere Touren am besten vormittags beginnen.

Quellen

Häufige Fragen zur Winterwanderung im Chiemgau

Wie viele Winterwanderwege gibt es im Chiemgau?

Laut Chiemsee-Chiemgau-Tourismus rund 280 Kilometer mit 87 Touren.

Wo sind die Premium-Winterwanderwege im Chiemgau?

In Reit im Winkl: der Panoramaweg auf der Hemmersuppenalm (6,5 km) und der Kaiserblick im Tal (6,4 km).

Welche Winterwanderung im Chiemgau ist leicht?

Zum Beispiel der Kaiserblick in Reit im Winkl (60 Höhenmeter), die Runde an der Urschlauer Ache bei Ruhpolding (3,6 km) oder der Winterspaziergang ab Chieming (3,8 km, 23 Höhenmeter).

Kann man im Winter am Chiemsee wandern?

Ja, etwa ab der Naturbeobachtungsstation Chieming (3,8 km) oder auf der Tour „Zum Chiemsee“ (11,8 km).

Werden die Winterwanderwege in Reit im Winkl geräumt?

Nein, sie werden gewalzt. So entsteht eine feste Schneedecke; Stöcke werden empfohlen, Schneeschuhe sind nicht nötig.

Was ist das Besondere am Frillensee bei Inzell?

Er gilt laut Wikipedia als kältester See Mitteleuropas und friert von der Mitte her zu.

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