Was die Breitachklamm besonders macht
Am Ausgang des Kleinwalsertals hat sich die Breitach tief in den Fels gefräst. Entstanden ist eine Schlucht von rund 2,5 Kilometern Länge, deren Wände bis zu 150 Meter aufragen – sie zählt laut Wikipedia zu den tiefsten Felsschluchten Mitteleuropas. Unten donnert das Wasser über Blöcke und durch Engstellen, oben wachsen Moose und Farne an den feuchten Wänden. Auf einem gesicherten Steig gehst du mitten hindurch, oft nur wenige Meter über dem Wasser.
Die Klamm liegt bei Tiefenbach, einem Ortsteil von Oberstdorf im Oberallgäu. Ihr oberes Ende reicht bis an die Walserschanz, die schon auf österreichischem Boden im Kleinwalsertal liegt.
Wie die Schlucht entstanden ist
Ihre Form verdankt die Schlucht der letzten Eiszeit. Die Gletscher hinterließen ein sogenanntes Hängetal; als das Eis vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren abschmolz, begann die Breitach, sich durch die harten Gesteinsschichten zu sägen. Diese Arbeit ist nicht abgeschlossen: Der Fluss tieft die Klamm bis heute weiter ein.
Pfarrer Schiebel und der Verein
Dass man die Schlucht heute begehen kann, geht auf den Tiefenbacher Pfarrer Johannes Schiebel zurück. Am 25. Juli 1904 wurde zum ersten Mal für den Weg gesprengt, am 4. Juli 1905 war Eröffnung. Betrieben wird die Klamm bis heute von einer Genossenschaft, dem Breitachklammverein. Rund 300.000 Menschen gehen laut Wikipedia jedes Jahr hindurch.
Felssturz und Hochwasser
Die Natur arbeitet hier sichtbar weiter. Am 23. September 1995 lösten sich rund 50.000 Kubikmeter Gestein und stauten etwa 300.000 Kubikmeter Wasser auf; am 23. März 1996 brach der Damm. Beim Alpenhochwasser 2005 stand das Wasser 6,60 Meter über der Brücke. Deshalb wird der Steig im Frühjahr und Herbst für Wartung und das Räumen von Steinschlag zeitweise gesperrt.
Rundweg und Wanderung durch die Klamm
Die meisten starten am unteren Eingang in Tiefenbach, gehen durch die Schlucht hinauf zur oberen Kasse und über einen Rundweg zurück. Laut Tourismus Oberstdorf ist die Runde rund 4 Kilometer lang, mit 187 Höhenmetern im Aufstieg und 190 im Abstieg zwischen 828 und 988 Metern; im Winter solltest du gut zweieinhalb Stunden einplanen. Wer am oberen Eingang an der Walserschanz parkt, braucht laut Breitachklammverein rund 30 Minuten bis zur oberen Kasse. Mehr Touren im Tal dahinter findest du in unserem Beitrag zum Schneeschuhwandern im Kleinwalsertal.
Die Klamm im Winter: Eiszapfen und Eispalast
Im Winter wird die Schlucht zu einem ganz anderen Ort: Spritzwasser gefriert an den Wänden zu meterlangen Eiszapfen und Vorhängen, über dem Wasser wachsen Eisgebilde. Die Klamm kann laut Tourismus Oberstdorf auch im Winter begangen werden – aber nur mit festen, wintertauglichen Schuhen mit guter Profilsohle. Stöcke und Grödel können auf vereisten Stellen helfen. Bei extremem Wetter oder Tauwetter wird aus Sicherheitsgründen gesperrt; den aktuellen Stand meldet der Wintersportbericht.
Fackelwanderung durch die nächtliche Klamm
Nur in den Wintermonaten bietet der Verein Fackelwanderungen an. Tickets gibt es ausschließlich online: Die Buchung wird laut Breitachklammverein am Veranstaltungstag um 10 Uhr freigeschaltet, nachdem Schnee und Eis geprüft wurden, und ist oft innerhalb weniger Minuten ausgebucht.
Führungen
Gruppen können das ganze Jahr eine Führung buchen. Ein Guide erklärt dabei Geschichte, Erschließung und Geologie der Klamm. Die Runde führt rund zwei Kilometer in die Schlucht hinein bis zum Felssturz nahe der zentralen Kontrollstelle und auf demselben Weg zurück, zusammen etwa eineinhalb Stunden Gehzeit. Laut Verein kostet sie 13 Euro pro Person, mindestens 130 Euro je Gruppe; eine Anmeldung ist nötig.
Öffnungszeiten und Tickets
Laut Breitachklammverein öffnet die Klamm täglich um 9 Uhr, Einlass ist derzeit bis 16 Uhr (Stand Oktober 2026). Im Frühjahr kann sie wegen Schneeschmelze oder nach Dauerregen auch kurzfristig geschlossen sein; den aktuellen Stand meldet die Statusseite des Vereins. Tickets gibt es an den Kassen und als Online-Ticket, Kinder unter fünf Jahren haben freien Eintritt. Die aktuellen Preise stehen auf der Website des Vereins.
Anfahrt, Parkplatz und Bus
- Unterer Eingang (Tiefenbach): Parkplatz P1, 5 € für Pkw, 8 € für Wohnmobile.
- Oberer Eingang (Walserschanz): Parkplatz P2, 5 € für Pkw.
- Bus: Die Linie 44 hält laut Tourismus Oberstdorf an der Haltestelle „Breitachklamm“. Der Verein empfiehlt die Anreise mit Bus und Bahn.
Einkehr rund um die Klamm
In der Klamm selbst gibt es nichts zu essen. Der Kiosk am Haupteingang in Tiefenbach ist laut Breitachklammverein derzeit geschlossen. Oberhalb des Parkplatzes P1 liegt am gelben Wanderweg die Alpe Dornach mit Restaurant und Hotel; rund eine Stunde zu Fuß von P1 entfernt bewirtet die Alpe Hinterenge II. Am oberen Ende stehen an der Walserschanz im ehemaligen Grenzgasthof Automaten mit Getränken, Kaffee und Snacks, und gleich hinter der oberen Klamm, über die Brücke Richtung Kleinwalsertal, liegt das Waldhaus. Öffnungszeiten bitte direkt bei den Betrieben prüfen.
Mit Kindern, Hund oder Kinderwagen
- Kinder: Eine Altersgrenze gibt es laut Verein nicht, aber die Klamm ist kein normaler Wanderweg – Kinder gehören an die Hand.
- Kinderwagen und Rollstuhl: Aus Sicherheitsgründen nicht möglich, ebenso Buggys, Tretroller und Laufräder. Eine Kraxe oder Trage ist erlaubt; auf niedrige Stellen achten.
- Hund: Erlaubt, auf dem ganzen Weg an der Leine. In der engen Klamm kann ein Maulkorb sinnvoll sein, im Walserbus (Linie 1) ist er Pflicht.
Praktische Hinweise
- Kleidung: In der Schlucht ist es kühl und durch die Gischt feucht – eine Jacke gehört auch im Sommer dazu (redaktionelle Einschätzung).
- Toiletten: An den Eingängen in Tiefenbach und an der Walserschanz, in der Klamm nicht.
- Bei Regen: Nach starkem Regen ist die Breitach besonders wild; bei Sperrungen informiert der Verein auf seiner Website.
