Das Kleinwalsertal
Das Kleinwalsertal liegt in den Allgäuer Alpen und gehört zum österreichischen Bundesland Vorarlberg. Mit dem Auto ist es aber nur über das bayerische Oberstdorf erreichbar – eine Straße zum Rest Vorarlbergs gibt es nicht. Das Tal ist rund 16 Kilometer lang; die Gemeinde Mittelberg umfasst die Orte Riezlern, Hirschegg, Mittelberg und Baad. Über dem Tal stehen Gipfel wie der Große Widderstein (rund 2.530 m), der Hohe Ifen (2.230 m) und das Walmendinger Horn (1.990 m).
Die Orte liegen laut Wikipedia zwischen rund 1.090 und 1.215 Metern – hoch genug, dass im Winter meist verlässlich Schnee liegt. Besiedelt haben das Tal um 1270 die Walser, die aus dem Schweizer Wallis kamen; von ihnen hat es seinen Namen. Seit 1891 ist das Kleinwalsertal Zollausschlussgebiet und damit wirtschaftlich eng an Bayern gebunden. Heute leben dort gut 5.000 Menschen, der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig.
Die Berge über dem Tal
Zwei Gipfel prägen das Bild des Kleinwalsertals besonders. Der Hohe Ifen auf der Grenze zwischen Bayern und Vorarlberg ist laut Wikipedia einer der wenigen Tafelberge der Alpen – oben flach, an den Seiten steil abfallend. Neben ihm liegt das Gottesackerplateau, eine unter Naturschutz stehende Karstlandschaft mit zahlreichen Höhlen, darunter das Hölloch und die Schneckenlochhöhle. Im Winter verwandelt sich das zerfurchte Kalkplateau in eine weiße Fläche, unter der Spalten und Dolinen verborgen liegen – dort solltest du nur mit Ortskenntnis oder Führung unterwegs sein.
Im Süden steht der Große Widderstein, der höchste Gipfel der Walsertaler Berge. Er besteht aus Hauptdolomit und ist wegen seiner Pyramidenform aus mehreren Tälern gut zu erkennen. Die erste belegte Besteigung gelang laut Wikipedia am 25. Juli 1669 dem Pfarrer Peter Bickel aus Schröcken. Ein Ziel für Schneeschuhgeher ist der Gipfel nicht – die Kletterstellen am Normalweg sind im Winter nichts für Wanderer –, aber als Kulisse begleitet er dich auf vielen Touren im hinteren Tal.
Warum das Tal für Schneeschuhwanderer so gut ist
Weil Seitentäler wie das Bärgunttal oder das Schwarzwassertal weit in die Berge hineinreichen, kannst du hier mit Schneeschuhen lange durch unberührte Landschaft gehen, ohne gleich steile Gipfelhänge betreten zu müssen. Laut Outdooractive bieten Dezember bis März genug Schnee; im Frühjahr sind die Temperaturen milder, dann lohnen sich längere Touren. Gleichzeitig bist du hier schnell im alpinen Gelände – die Grenze zwischen gemütlicher Talwanderung und ernsthafter Bergtour ist schmal.
Schneeschuhtouren im Kleinwalsertal
Alle Angaben laut Outdooractive. Die Touren führen in alpines Gelände – auch die leichten.
Leicht
- Schneeschuhtour im Bärgunttal: 6 km, 2:40 h, 428 Höhenmeter.
- Von der Schwarzwasserhütte zu Berlingersköpfle und Auenhütte: 10 km, 3:30 h, 422 Höhenmeter.
Das Bärgunttal ist der klassische Einstieg: ein Seitental bei Baad am hinteren Ende des Kleinwalsertals, in dem du über verschneite Almwiesen talein gehst. Wie weit du gehst, entscheidest du selbst – umkehren kannst du jederzeit.
Mittel
- Rundtour Schwarzwasserhütte – Hornbachhaus: 9,8 km, 4:36 h, 690 Höhenmeter.
- Schwarzwasserhütte über Steinmandl: 9,8 km, 4:44 h, 798 Höhenmeter.
- In den Gerachsattel: 13,3 km, 5:30 h, 500 Höhenmeter.
- Seekopf und Hochalppass ab Baad: 12,2 km, 5:45 h, 950 Höhenmeter.
Schwer
- Von der Schwarzwasserhütte auf den Hehlekopf: 5 km, 3 h, 436 Höhenmeter.
- Kuhgehrenspitze: 7,3 km, 4:40 h, 782 Höhenmeter.
Für erfahrene Schneeschuhgeher nennt Outdooractive außerdem eine Tour an der Nordwand des Hohen Ifen mit 12,3 Kilometern und 5:45 Stunden – eine Tour im anspruchsvollen alpinen Gelände, die nur mit Erfahrung und bei sicherer Lawinenlage infrage kommt.
Wichtig: Schwarzwasserhütte im Winter 2026/27 geschlossen
Mehrere der Touren starten oder enden an der Schwarzwasserhütte. Die Hütte liegt auf 1.620 Metern und gehört der Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins. Laut Wikipedia ist sie von Herbst 2025 bis Frühjahr 2027 wegen einer Generalsanierung geschlossen. Einen Winterraum hat sie ohnehin nicht. Für dich heißt das: keine Einkehr, keine Übernachtung, kein Unterschlupf bei Wetterumschwung. Plane die Touren so, dass du genug Verpflegung und warme Kleidung dabeihast, und prüfe vor der Tour bei der Sektion, ob sich am Stand etwas geändert hat.
Der übliche Zustieg führt von Hirschegg über die Auenhütte und dauert laut Wikipedia rund zweieinhalb Stunden; auch aus Mittelberg und Baad sind es zwei bis drei Stunden. Rechne diesen Weg zu den Zeiten der Touren dazu, wenn du nicht ohnehin an der Auenhütte startest.
Sicherheit: Lawinen und Schutzzonen
Im Kleinwalsertal bist du mit Schneeschuhen im alpinen Gelände unterwegs. Prüfe vor jeder Tour den Lawinenlagebericht für Vorarlberg, nimm Verschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde mit und kehre bei Lawinengefahr oder schlechter Sicht um. Einige Gebiete sind Wild- und Ruhezonen, die nur auf ausgewiesenen Wegen betreten werden dürfen. Die Bergschulen im Tal planen ihre Routen nach den Naturschutzrichtlinien von DAV und Österreichischem Alpenverein.
Die Ausrüstung allein schützt nicht – du musst sie auch bedienen können. Wer noch nie mit einem Verschüttetensuchgerät geübt hat, sollte das vor der ersten Tour in einem Kurs nachholen. Wie Schneeschuhe funktionieren und welche Technik du im Aufstieg und Abstieg brauchst, steht in unserem Ratgeber zum Schneeschuhwandern.
Was du für eine Schneeschuhtour brauchst
- Schneeschuhe mit Steighilfe: Ein Bügel unter der Ferse entlastet die Waden bei längeren Anstiegen, Harscheisen unter der Bindung geben am Hang Halt.
- Stöcke mit großen Tellern: Sie sinken im Tiefschnee nicht ein und helfen beim Gleichgewicht.
- Feste, wasserdichte Schuhe und Gamaschen: Gamaschen halten den Schnee aus den Schuhen, wenn du tief einsinkst.
- Lawinenausrüstung: Verschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde – und das Wissen, wie man sie benutzt.
- Kleidung in Schichten: Im Aufstieg wird dir schnell warm, in der Pause kühlst du ebenso schnell aus. Eine warme Jacke für Pausen gehört in den Rucksack.
- Orientierung: Karte oder Offline-Karte und ein geladenes Handy. Spuren anderer führen nicht unbedingt dorthin, wo du hinwillst.
Geführte Touren
Wer ohne Erfahrung im Lawinengelände unterwegs ist, ist mit einer geführten Tour besser beraten. Ski- und Bergschulen im Tal bieten Halb- und Ganztagestouren an; Schneeschuhe und Stöcke werden dabei meist gestellt.
Ein Abstecher: die Breitachklamm
Die Breitach, die das Kleinwalsertal entwässert, hat am Talausgang bei Tiefenbach (Oberstdorf) eine der eindrucksvollsten Schluchten der Alpen gegraben. Die Breitachklamm ist laut Wikipedia bis zu rund 150 Meter tief und gilt als tiefste Felsenklamm Mitteleuropas; der Weg hindurch ist 2,5 Kilometer lang. Erschlossen wurde sie 1904/05, heute kommen rund 300.000 Besucher im Jahr. Im Winter hängen dort Eiszapfen und gefrorene Wasserfälle an den Wänden. Im Frühjahr und Herbst ist die Klamm zeitweise zur Sicherung geschlossen – vor dem Besuch die Öffnungszeiten prüfen.
Praktische Hinweise
- Anreise: über Oberstdorf. Im Tal fahren Busse zwischen den Orten und zu vielen Ausgangspunkten.
- Schneeschuhe leihen: Sportgeschäfte und Bergschulen im Tal verleihen Schneeschuhe und Stöcke.
- Früh starten: Viele Touren dauern vier bis sechs Stunden – im Winter bleibt dafür wenig Tageslicht. Plane einen festen Umkehrzeitpunkt ein.
- Verpflegung: genug zu trinken und zu essen mitnehmen, besonders solange die Schwarzwasserhütte geschlossen ist.



